Die Integration neuer Produktionsprozesse in bestehende Fabrikstrukturen zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Fabrikplanung, insbesondere in regulierten Branchen wie der Kunststoffverarbeitung für Pharmaprodukte. Hier müssen Materialfluss, Produktionsbedingungen und bauliche Restriktionen präzise aufeinander abgestimmt werden.
In einer bestehenden Fabrik wurde genau diese Herausforderung im Rahmen eines bereits abgeschlossenen Brownfield‑Projekts erfolgreich gemeistert. Neue Produktionslinien wurden in eine laufende Produktion integriert, ohne zusätzliche Flächen zu erschließen. Ziel war es, Prozesse zu harmonisieren, den Materialfluss nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig eine belastbare Grundlage für zukünftiges Wachstum zu schaffen.
Materialflussplanung als Schlüssel zur Integration
Grundlage des Projekts bildete eine umfassende Analyse der bestehenden Materialflüsse. Sämtliche Transportwege, Übergabepunkte und logistischen Abhängigkeiten wurden detailliert erfasst und bewertet. Dadurch entstand ein transparentes Gesamtbild der Ist‑Situation inklusive Engpässen, Überlastungen und nicht wertschöpfender Wege.
Im Fokus der Materialflussplanung standen:
- die strukturierte Definition geeigneter Übergabepunkte zwischen Produktion und Logistik unter Berücksichtigung inklusive relevanter innerbetrieblicher Materialflussbewegungen
- die Bewertung bestehender Verkehrs- und Transportwege
- die Identifikation kritischer Bereiche mit Optimierungspotenzial
Auf dieser Basis wurde ein zukünftiger Materialfluss entwickelt, der die Produktion nachweislich entlastet und stabile, reproduzierbare Abläufe sicherstellt.
Auslegung automatisierter Transportsysteme
Auf Grundlage des neu definierten Materialflusses wurden verschiedene Transportsysteme systematisch untersucht. Die zentrale Herausforderung bestand darin, eine Lösung zu identifizieren, die sich in die bestehende Gebäudestruktur integrieren lässt, zukünftige Produktionssteigerungen ermöglicht und zugleich den wachsenden Anforderungen durch Fachkräftemangel, soziale Nachhaltigkeit und Digitalisierung gerecht wird.
Dafür wurden sowohl konventionelle als auch automatisierte Technologien geprüft, um ein wirtschaftliches und zugleich flexibles Gesamtkonzept zu entwickeln.
In die Bewertung flossen insbesondere die zu erwartenden Transportmengen und deren Frequenzen sowie räumliche Einschränkungen und vorhandene Verkehrswege ein. Dadurch entstand ein Konzept, das die betrieblichen Anforderungen zuverlässig erfüllt und gleichzeitig genügend Spielraum für zukünftige Entwicklungen bietet.
Simulation schafft Planungssicherheit
Zur Absicherung der Praxistauglichkeit wurden ausgewählte Transport- und Produktionsprozesse in einer dynamischen Simulation abgebildet. Reale Prozessverläufe, Lastspitzen und Schwankungen konnten dadurch realitätsnah analysiert und bewertet werden.
Die Simulation lieferte belastbare Antworten auf zentrale Fragestellungen:
- Verhalten sich die Materialflüsse auch bei steigender Auslastung stabil?
- Wo entstehen Engpässe und wie lassen sie sich vermeiden?
- Welche Systemkonfiguration bietet langfristige Prozesssicherheit?
Damit wurde die Planung nicht nur validiert, sondern gezielt optimiert, noch bevor Investitionen umgesetzt wurden.
Parallel zur technischen Auslegung entstand ein mehrstufiger Masterplan, der sowohl kurzfristige Anpassungen als auch mittel und langfristige Erweiterungen abbildet.
Dieses Planungsinstrument bietet dem Unternehmen klare Orientierung für die Weiterentwicklung des Standorts und schafft eine belastbare Grundlage für strategische Investitionsentscheidungen.
Vom Bestand zur Zukunft: Produktion nachhaltig weiterentwickelt
Die abgeschlossene Brownfield‑Planung führte zu einer robusten Gesamtlösung, die sowohl im täglichen Betrieb als auch auf strategischer Ebene überzeugt.
Mehrwert:
- Stabile, simulierte Prozesse für eine sichere Produktionsumgebung
- Klare Empfehlung für ein wirtschaftliches und prozesssichereres Transportsystem
- Deutliche Optimierung der Transportwege und Abläufe
- Gesteigerte Produktionsleistung bei gleichbleibender Fläche
Dieses Projekt zeigt, wie sich selbst hochkomplexe Bestandsstrukturen durch fundierte Analyse, Simulation und gezielte Technologieauswahl effizient weiterentwickeln lassen.
Fazit
Brownfield Fabrikplanung verbindet bestehende Strukturen mit neuen Produktionsanforderungen. Durch konsequente Materialflussanalyse, realitätsnahe Simulation und eine zukunftsorientierte Auslegung der Transportsysteme entsteht eine Lösung, die stabil, flexibel und wirtschaftlich tragfähig ist.
Das Referenzprojekt zeigt, dass Produktionswachstum, Prozessstabilität und bauliche Restriktionen kein Widerspruch sein müssen, wenn Planung und Simulation intelligent eingesetzt werden.
