NRW-Wirtschaftsdelegation auf der Eurosatory in Paris – Gruppenbild am German Pavilion der internationalen Verteidigungsmesse
Fabrikplanung

Paris, Eurosatory und die europäische Verteidigungsindustrie

Drei Tage zwischen Politik, Industrie und Partnerschaft 

Gemeinsam mit einer Wirtschaftsdelegation aus Nordrhein-Westfalen hatten wir Mitte Juni die Gelegenheit, an einer Delegationsreise nach Paris mit Besuch der Eurosatory teilzunehmen – einer der weltweit bedeutendsten Leitmessen für Verteidigungs- und Sicherheitstechnologien. Organisiert wurde die Reise durch die AHK Frankreich, die IHK Aachen und NRW.Global Business.  

Für MPC war die Reise vor allem eine Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen bei Herstellern, Zulieferern und politischen Entscheidungsträgern aus erster Hand zu bewerten. Dabei stand weniger die Frage nach neuen Technologien im Mittelpunkt als vielmehr die Herausforderung, wie Unternehmen ihre Produktions- und Liefernetzwerke in kurzer Zeit skalieren können. 

In nahezu allen Gesprächen zeigte sich ein gemeinsames Bild: Die europäische Verteidigungsindustrie steht vor einer Phase beschleunigter Industrialisierung. Der Aufbau neuer Kapazitäten, die Sicherung resilienter Lieferketten und die Umsetzung großer Investitionsprogramme werden in den kommenden Jahren zu den zentralen Aufgaben vieler Unternehmen gehören. 

 

Eine Delegation voller Kompetenz und Offenheit 

Besonders positiv in Erinnerung bleibt die Zusammensetzung der NRW-Delegation. Die Teilnehmenden kamen aus unterschiedlichsten Branchen und Unternehmensgrößen, vereint durch hohe fachliche Kompetenz, Offenheit und den gemeinsamen Wunsch, neue Partnerschaften zu entwickeln. 

Die offiziellen Programmpunkte wurden durch zahlreiche persönliche Gespräche ergänzt. Ob während der Transfers, beim deutsch-französischen Networking-Abend oder beim gemeinsamen Essen – überall entstanden intensive Diskussionen über Marktchancen, Lieferketten, Kapazitätsaufbau und mögliche Kooperationen. Gerade dieser offene Austausch machte den eigentlichen Mehrwert der Reise aus. 

Denn am Ende zeigte sich: Niemand wird die vor uns liegenden Herausforderungen allein bewältigen können. Die zentrale Fragestellung lautete immer wieder, wie Unternehmen sich gegenseitig unterstützen, Kompetenzen bündeln und belastbare Netzwerke innerhalb Europas aufbauen können. 

 

Was die Verteidigungsindustrie aktuell wirklich beschäftigt 

Die Eurosatory beeindruckte nicht nur durch ihre schiere Größe, sondern auch durch die enorme Zahl deutscher Aussteller, Delegationen und Industrievertreter. Auf nahezu allen Ständen waren ähnliche Themen zu hören.  

Die Branche steht vor der Aufgabe, Produktionskapazitäten in einem Tempo auszubauen, das es in dieser Form bislang kaum gegeben hat. Viele Unternehmen haben in der Vergangenheit hochspezialisierte Produkte in vergleichsweise kleinen Stückzahlen gefertigt. Nun geht es darum, industrielle Skalierung zu ermöglichen. 

Dabei stehen mehrere Fragen im Mittelpunkt: 

  • Welche Produkte werden in den kommenden Jahren tatsächlich benötigt? 
  • In welchen Mengen müssen diese verfügbar sein? 
  • Bis wann müssen entsprechende Produktionskapazitäten aufgebaut werden? 
  • Welche Anforderungen ergeben sich daraus für Zulieferer und Lieferketten? 
  • Wie können Qualität, Dokumentation und Zertifizierung trotz steigender Produktionsvolumina sichergestellt werden? 

Hinzu kommt, dass die technischen Anforderungen an Komponenten und Systeme kontinuierlich steigen. Die Herausforderung liegt daher nicht allein in der Entwicklung neuer Technologien, sondern in der Skalierung von Produktionsabläufen. 

Für uns bestätigten diese Diskussionen ein Bild, das wir bereits aus anderen Industrien kennen: Die strategischen Entscheidungen sind vielfach getroffen – nun steht die industrielle Umsetzung im Mittelpunkt. 

 

Wenn Wachstum zur Managementaufgabe wird 

Ein besonders interessantes Learning aus den Gesprächen in Paris war, dass viele Herausforderungen der Verteidigungsindustrie bekannten Mustern aus anderen Industrien folgen. 

Ob neue Produktionslinien, Werkserweiterungen, internationale Liefernetzwerke oder mehrjährige Investitionsprogramme – die technische Lösung ist häufig nur ein Teil der Aufgabe. Ebenso entscheidend sind klare Projektstrukturen, abgestimmte Entscheidungsprozesse und eine konsequente Umsetzung. 

Genau hier sehen wir zahlreiche Parallelen zu Projekten, die MPC in anderen kapitalintensiven Industrien begleitet hat. In der Automobil-, Energie- oder Prozessindustrie zeigt sich immer wieder: Der Erfolg großer Transformationsvorhaben hängt maßgeblich davon ab, wie gut Strategie, Organisation und Umsetzung miteinander verzahnt werden. 

Viele der auf der Eurosatory diskutierten Fragestellungen zielen letztlich auf dieselbe Herausforderung ab: Wie lässt sich Wachstum in kurzer Zeit erfolgreich organisieren, ohne Qualität, Effizienz oder Termintreue zu gefährden? 

 

Frankreich: Ein Markt mit eigenen Spielregeln 

Ein besonders interessanter Aspekt der Reise war der Einblick in die französische Industrie- und Verteidigungspolitik. Im Vergleich zu Deutschland ist die Rolle des Staates deutlich stärker ausgeprägt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Industrie und Forschung prägt viele Entwicklungen des französischen Marktes.  

Gleichzeitig wurde deutlich, dass französische Unternehmen großes Interesse daran haben, ihre Rolle in europäischen Rüstungs- und Sicherheitsprogrammen weiter auszubauen. Entsprechend hoch war die Bereitschaft zum Austausch mit deutschen Partnern. 

Wer in Frankreich erfolgreich Geschäfte machen möchte, benötigt jedoch mehr als nur ein gutes Produkt oder eine überzeugende Dienstleistung. Persönliche Beziehungen, Vertrauen und lokale Netzwerke spielen eine zentrale Rolle. Viele Gespräche bestätigten, dass langfristige Partnerschaften häufig die Grundlage für erfolgreiche Projekte bilden.  

Eine weitere interessante Erkenntnis war die Verfügbarkeit von Industrieflächen im Großraum Paris. Sowohl bestehende Hallen als auch potenzielle Entwicklungsflächen stehen in erheblichem Umfang zur Verfügung.  

Vor dem Hintergrund steigender Investitionen und des erwarteten Kapazitätsausbaus eröffnet dies interessante Perspektiven für Unternehmen, die ihre Präsenz in Frankreich oder im europäischen Markt erweitern möchten. 

 

Persönliche Gespräche bleiben durch nichts zu ersetzen 

Neben allen fachlichen Inhalten bleibt vor allem eine Erkenntnis: Die wertvollsten Gespräche finden häufig außerhalb offizieller Meetingräume statt. 

Der deutsch-französische Networking-Abend, gemeinsame Abendessen und zahlreiche informelle Gespräche innerhalb der Delegation haben gezeigt, wie wichtig persönlicher Austausch für erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Gerade dort wurden Erfahrungen geteilt, Kontakte geknüpft und erste Ideen für zukünftige Kooperationen entwickelt. ´ 

In einer Zeit zunehmender Digitalisierung bleibt der persönliche Dialog ein entscheidender Erfolgsfaktor – insbesondere dann, wenn neue Partnerschaften entstehen sollen. 

 

Fazit: Europas Stärke liegt in der Zusammenarbeit 

Die Reise nach Paris und der Besuch der Eurosatory haben vor allem eines gezeigt: Die europäische Verteidigungsindustrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderung. Unternehmen investieren, bauen Partnerschaften aus und bereiten sich auf langfristiges Wachstum vor. 

Ebenso deutlich wurde, dass die anstehenden Aufgaben nur gemeinsam bewältigt werden können. Hersteller, Zulieferer, Forschungseinrichtungen und politische Akteure sind stärker denn je auf Zusammenarbeit angewiesen. 

Für uns war die Reise deshalb weit mehr als ein Messebesuch. Sie bot die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen im Markt einzuordnen, neue Kontakte zu knüpfen und ein besseres Verständnis für die Herausforderungen und Chancen der kommenden Jahre zu gewinnen. 

Die wichtigste Erkenntnis nehmen wir dabei aus den zahlreichen Gesprächen mit: Europas industrielle Stärke wird nicht allein durch Technologie entstehen, sondern durch die Fähigkeit, Kompetenzen zu vernetzen, Partnerschaften aufzubauen und gemeinsame Lösungen umzusetzen.

 

Sie möchten dieses Thema in Ihrem Unternehmen weiterdenken oder haben Fragen dazu? 
Unser Team unterstützt Sie gerne mit einer unverbindlichen Ersteinschätzung.
 


fabrikplanungnoSpam@munscheknoSpam.com